Christa Hobler geht nach 28 Jahren als Pfarrsekretärin in den Ruhestand

 

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Die Arbeit im Pfarrbüro hat viel Spaß gemacht, denn hier laufen alle Fäden der Pfarrgemeinde zusammen“, erzählt Christa Hobler mit einem lachenden und einem weinenden Auge, als sie nach Eindrücken aus ihrem Arbeitsleben gefragt wird. Seit 1983, davon im letzten Jahr ehrenamtlich, war sie in St. Maria Magdalena für die Verwaltung und darüber hinaus für so manches mehr zuständig. „Neben der Büroarbeit muss man wissen, wie die Kirchenglocken zu bedienen sind, wem die Brille gehören könnte, die auf der Kirchenbank liegengeblieben ist, wie die Spülmaschine im Pfarrheim funktioniert. Und vor allem möglichst viele Telefonnummern der Pfarrer und Ruheständler im Dekanat greifbar haben, um Vertretungsdienste zu organisieren.“

 

Während eines Gottesdienstes und Empfang im Pfarrheim gab es viel Beifall für die scheidende Mitarbeiterin. Pfarrer Andreas Heger überbrachte die Wünsche von Kardinal Lehmann. Ausgestattet mit Urkunde und der Medaille „Dank und Anerkennung des Bistums Mainz“ fand er neben den offiziellen auch persönliche Worte: „Manch einer ist sich noch gar nicht bewusst, was ihr Ruhestand für die Gemeinde bedeutet.“ Als Kirchenrechner wird sie dieser allerdings auch künftig erhalten bleiben.

 

„Ein hohes Maß an Menschlichkeit gepaart mit sozialer Kompetenz“, so sparten auch die Redner der kirchlichen Gremien, Jürgen Michalak und Gerhard Bosold nicht mit Lob. Gekommen waren neben Gemeindemitgliedern Vertreter der Ortsvereine, das Pfarrsekretärinnen-Team und Hoblers erster Chef, Pfarrer Michael Petschull. Während seiner Zeit habe sie viel gelernt, betont sie, besonders als das Pfarramt für die Gefängnisseelsorge in Friedberg zuständig war: „Da gewinnt man den Blick für ganz andere Bereiche.“

 

„Das Pfarrbüro ist die Visitenkarte der Pfarrei und ich denke wir haben eine gute Visitenkarte abgegeben“, resümierte Bosold und verglich das heutige Anforderungsprofil mit dem der 80er Jahre. Damals stand die Verwaltung stand im Mittelpunkt. Heute, wo Pfarrer immer größere Gemeinden betreuen, kommen pastorale Aufgaben hinzu. Er erinnerte an die „polnischen Jahre“ mit Pfarrer Jan Gut und die „afrikanischen Jahre“ bei Pfarrer Ferdinand. Beide hätten auch im persönlichen Bereich viel Hilfe erfahren. Die Zeit nach dem Kirchenbrand 2001 war für den damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden eine beispielhafte Herausforderung. „Sie haben in schwierigen Zeiten die organisatorischen Abläufe im Griff gehabt“ und bekennt: „Eigentlich waren wir ihre Mitarbeiter und sie unsere Chefin.“  Nur einmal musste Hobler kapitulieren: Pfarrhund Timo hatte schon zuvor seinen Platz im Pfarrbüro, „und den hat er auch verteidigt.“

 

Im Gespräch blickt Christa Hobler zurück. Für die Menschen ist das Pfarrbüro oftmals die erste und manchmal die einzige Anlaufstation: „Wenn bei Todesfällen Hinterbliebene ins Pfarramt kamen, blieb manch andere Arbeit liegen. Aber das macht eben den Unterschied zur sonstigen Bürotätigkeit aus.

 

Nüsse mussten viele geknackt werden, über eine kann sie heute nur noch schmunzeln: Anfang der 90er Jahre erreichte sie zu später Stunde der Notruf des Pfarrers. Motorschaden südlich von Frankfurt, zur Standortbestimmung lagen vor: Eine Möbelhausreklame und eine Pizzeria, Ortsangabe Fehlanzeige. Eiligst wurde ein Suchkommando zusammengestellt, der Pfarrer samt PKW und ohne ADAC wohlbehütet zurückgebracht. Als Christa Hobler gefragt wird, wie sie denn künftig mit der vielen Freizeit umgehen werde, lächelt sie: „Rentner haben doch bekanntlich immer einen vollen Terminkalender.“ Und auch die Nachfolgerin Elfriede Gesser-Rack will ab November eingearbeitet werden: „Advents- und Weihnachtszeit, das ist alles andere als Normalbetrieb“



Bildtext:  Christa Hobler geht nach 28 Jahren in den Ruhestand: Pfarrer Andreas Heger überreicht ihr neben Blumen und Medaille  die Urkunde „Dank und Anerkennung des Bistums Mainz“ im Namen von Kardinal Karl Lehmann  Foto: hh.

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9. - 29. November 2010


Langeweile ist im Pfarrbüro ein Fremdwort  - WZ vom 09.10.2010